Hochstrittige Elternkonflikte bedeuten höchste Anforderungen an alle Beteiligten!

Eskalierende Konflikte können eine extreme Zerstörungskraft entwickeln und sich schnell auf Personen ausweiten, die als professionelle Akteure die Aufgabe der Waffenstillstandsverhandler haben. Schnell geraten diese an die eigene Belastungsgrenze und an die Grenze der eigenen Handlungsmöglichkeiten. Ein uferloser Hochkonflikt erfordert das gemeinsame Handeln aller beteiligten Professionen:

  • an die professionellen Akteure, die im direkten Kontakt mit den Eltern stehen (Berater, Mitarbeiter im Jugendamt, Richter, Anwälte),
  • an die Institutionen, die im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten die Rahmenbedingungen für einen Umgang nach einer Trennung herstellen sollen (Jugendamt, Familiengerichte),
  • an die Zerstrittenen, für die im eskalierten Konflikt die Dämme brechen,
  • an die Kinder, für bis zu einer Neuordnung des Umgangs der Erwachsenen Welten zusammenbrechen,

Es gilt, gemeinsam einen Rahmen und einander ergänzende Rollen zu entwickeln. Wenn sich Eltern in einen chronischen Vernichtungskrieg verstrickt und ihre Kinder dabei aus dem Blick verloren haben, kommt es auf die besonnene Kooperation aller professionellen Akteure an.

2017 Hochstrittige PaareDie Ehe-, Familien- und Lebensberatung und Gäste der Erziehungsberatungsstellen im Bistum Essen hat sich in diesem Jahr mit diesem wichtigen aber auch gleichzeitig schwierigen Thema in der Fortbildung „Hochstrittige Paare“ beschäftigt.

Der Fachexperte Uli Alberstötter (Dipl.Päd., Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, system. (Familien)Therapeut und Supervisor, Mediator, lösungsorientierter Gutachter, Paar- und Familienberatung, Eltern-Coaching, Familien mit Migrationshintergrund, Stieffamilien, Familien-Mediation, Trennungs- und Scheidungsberatung mit besonderem Fokus: „hochstrittige“ Eltern-konflikte, Forschung und Veröffentlichungen zum Thema „hochstrittige“ Elternkonflikte, Konfliktmoderation bei (hocheskalierten) Konflikten in Organisationen, Fortbildungen, Trainings, Supervision, Konzeptionsentwicklung) gab professionelle und ausgesprochen interessante Einblicke auf eine andere Wahrnehmung und einen anderen Umgang mit Eltern-Paaren, die „Krieg“ gegeneinander führen, die über herkömmliche Konzepte von Beratung und Therapie hinauswiesen.

Ein 3-stufiges Eskalationsmodell zur Einschätzung der Intensität und Ausweitung des Konflikts bildet dabei den Kern der systemischen Konfliktdiagnose. Weitere Inhalte zu den Herausforderungen, Chancen und Probleme, auch im Hinblick auf das Kindeswohl, aus Sicht des Familiengerichts sowie der Verfahrensbeistandschaft als trennungsbegleitende Institution wurden theoretisch und in praktischen Übungen von den Beratenden erprobt. Vermittelt wurden zudem praktische Hinweise zum Umgang mit hochstrittigen Eltern in Beratungskontexten. Wie schaffe ich es, z.B. strikte Neutralität zu wahren und andererseits disziplinierend einzugreifen?

Was kann ich tun, damit sich die große Anspannung zwischen den Parteien nicht auf mich als BeraterIn überträgt, sondern ich deeskalierend Einfluss nehmen kann? Eine herausragende und anspruchsvolle Fortbildung, die nachwirkt und der einen immens großen Handlungsbedarf deutlich macht.

(Autorin: Martina Lorra)