BVkE Verbandsrat 2016Die 50 Teilnehmer der BVkE-Verbandsratssitzung 2016 in Würzburg konnten an einem hervorragenden Studienteil zum Thema „Islamische Lebenswelten – vertraut oder fremd?“ teilnehmen. Die einführenden Vorträge von Dr. Thomas Lemmen (Erzbistum Köln, Dozent für Religionswissenschaft, Studienleiter „Interreligiöse Dialogkompetenz“ M.A.) zum Thema „Religiöse und kulturelle Vielfalt durch Migration aus islamischen Ländern und Kulturen – Herausforderung und Chance für die soziale Arbeit“

und Hanim Ezder, stellv. Geschäftsführung des Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V. Köln / Leiterin des muslimischen Familienbildungswerkes Köln mit dem Vortrag „Soziale Arbeit und Bildungsarbeit im islamischen Kontext – am Beispiel des muslimischen Bildungs- und Sozialzentrums Köln“ gaben detaillierte und ausgesprochen interessante Einblicke in das Thema Islam mit seinen einzelnen Strukturen und Strömungen. Ein anschließender Workshop beschäftigte sich mit dem Thema „Jugend und Salafismus: Hintergründe und Handlungsmöglichkeiten“. Die Referentin untersucht besonders die Ansprechbarkeit von (deutschen) Frauen.


Zunächst mussten die Teilnehmer sich damit vertraut machen, dass es unter den einzelnen ethnischen Gruppen nicht den einen Islam gibt, sondern unterschiedliche Ausprägungen und verschiedenen Religionsgruppen gelebt wird. Neben dem Koran, gibt es verschiedene andere Schriften, z.B. die Sunnah, die Sprüche des Propheten, die das religiöse Fundament bilden. In den sog. Rechtsschulen werden die Auslegungen der Schriften betrieben. Diese reichen von eher konservativen Interpretation bis zu liberalen Haltungen. Die Scharia dagegen ist eine Art Verhaltenskodex, die das tägliche Leben regelt, aber auch hier gibt es unterschiedliche Interpretationsweisen. Die einzelnen Gruppen untereinander können nicht immer tolerant miteinander umgehen, sondern bekämpfen und unterdrücken sich mit der Rechtfertigung des wahren Glaubens.


Viele angebliche islamische Regeln und Rollenbilder sind allerdings Traditionen, die aus der religiösen Ausübung heraus entstanden sind, aber nicht mehr immer auf den Texten des Korans fußen, aber auch nicht mehr überprüft werden.


Interessant an diesen Inhalten ist die Tatsache, dass wir diverse Inhalte, Strukturen, Traditionen und Auseinandersetzungen sehr gut aus der christlichen katholischen Kirche und Tradition kennen, diese aber wg. des vertrauten Rahmens akzeptieren. Aus dem Kontext des Islam machen uns diese Dinge jedoch Angst und wir fühlen uns bedroht.
Die einzige Möglichkeit mit dem Fremden umzugehen, ist die (kritische) Beschäftigung mit der fremden Religion und Kultur aber auch die kritische Beschäftigung mit unserer eigenen Religion und Kultur. Dazu ist als unbedingte Bedingung der Dialog mit den zugereisten Menschen nötig.


In der Auseinandersetzung mit dem Salafismus und den Mechanismen der Anwerbung wird sehr deutlich, dass alle Menschen gefährdet sind, die perspektivlos und verunsichert sind. Diese Menschen befinden sich besonders in unseren Einrichtungen und Diensten. Dieses Phänomen kennen wir auch in Zusammenhang mit anderen Problemen (z.B. Sucht). Trotzdem ist es eine neue Herausforderung für Schule, Jugendarbeit und Erziehungshilfe, dieses Phänomen abzufangen und die betroffenen jungen Menschen aufzufangen.

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