LAG NWSeit 2012 sind die Rahmenverträge gekündigt, zunächst mit einem einjährigen Moratorium, seit 2014 gilt ausschließlich das SGB VIII. Viele Jugendämter und Einrichtungen haben sich dennoch weiterhin am alten Rahmenvertrag orientiert. Es wurde aber auch die „Freiheiten“ genutzt, die ein fehlender Rahmenvertrag mit sich bringt. Manche Jugendämter haben versucht, die Eckpunkte die durch die kommunalen Spitzenverbände favorisiert wurden, auf örtlicher Ebene umzusetzen.

Nun wird deutlich, dass der Wunsch nach neuen Rahmenverträgen zunimmt. Die ‚LAG freie Wohlfahrtspflege‘ beginnt daher, sich auf neue Verhandlungen vorzubereiten. Zunächst fand ein interner Fachtag mit 120 Einrichtungsvertretungen statt, um die eigene Positionierung zu justieren. Zentrales Anliegen der Fachleute ist das Denken und Handeln von den Bedarfen der Kinder und Jugendlichen aus. Nur dann kann Hilfe wirksam sein. Ein weiteres zentrales Anliegen, ist, sich dem Thema Bildung anzunehmen und den Begriff für die Erziehungshilfe zu deklinieren. Dabei muss der Begriff weitaus anders verstanden werden, als die reine Wissensvermittlung in der Schule. Eigenverantwortliche und produktive Lebensgestaltung braucht mehr als das. Diese beiden Ansätze können einen ganz anderen Rahmenvertrag bedingen, wenn sich sowohl die freie Wohlfahrtspflege wie die kommunalen Spitzenverbände darauf einlassen. Unter der Prämisse, dass jedes Kind, dass durch seine Biographie scheitert, ohne Perspektive, Schulabschluss und Job, dauerhaft nicht für seinen eigenen Unterhalt sorgen kann, potenziert sich die Schieflage mit dem demographischen Wandeln, der es eigentlich nötig macht, höchste Anstrengungen zu unternehmen, alle Kinder zum Schulabschluss zu bringen und ihm die Möglichkeit zu geben, auf Dauer seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Das bedeutet, dass die Debatte zu den Rahmenverträgen nicht eine Spardiskussion sein darf, sondern von der Überlegung bestimmt sein muss, alle Optionen so zu gestalten, dass nach dem Bedarf des einzelnen Kindes die Unterstützung gestaltet werden. Hier muss die Investition größer sein als bisher unternommen wurde.