Junge Menschen aus der Jugendhilfe in NRW gründen erste Interessenvertretung

Interessenvertretung „Jugend vertritt Jugend (JVJ NRW)“ gewählt / LVR, LWL und MKFFI unterstützen mit Projekt „Gehört werden!“ landesweite Beteiligungsstrukturen in der stationären Erziehungshilfe / Kritik an Bezeichnung „Heim“, an 75 Prozent-Regelung und Forderung nach besseren Zugängen zu WLAN

Duisburg. 9. Mai 2019. Rund 90 junge Menschen aus Jugendhilfeeinrichtungen in NRW haben in Duisburg die erste JVJ NRW gewählt. Das Gremium besteht aus elf Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 20 Jahren und will künftig mehr Beteiligung für die Bewohnerinnen und Bewohner von Einrichtungen und Wohngruppen erreichen. Fünf Mal im Jahr wird die JVJ NRW tagen. Für die Anliegen der Jugendlichen ist sie über die Internetseite www.gehoert-werden.de ständig ansprechbar. Die Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) sowie das NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) unterstützen die Kinder und Jugendlichen seit 2017 im Rahmen des dreijährigen Projekts „Gehört werden!“ dabei, eine landesweite Interessenvertretung zu gründen.

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„Die Wahl ist ein Zeichen, dass uns Beachtung geschenkt wird und wir der Beteiligung ein Gesicht geben. Durch JVJ NRW können wir nicht mehr ignoriert werden. Wir sprechen für alle Kinder und Jugendlichen aus der Jugendhilfe in NRW“, sagen die jungen Menschen in ihrer ersten Sitzung. Eines dieser Themen ist das häufig schlechte Image der Zielgruppe in der Öffentlichkeit. Die jungen Menschen sehen hier einen Zusammenhang zwischen negativen Assoziationen und den Worten ‚Kinderheim‘ und ‚Heimkinder‘. „Wir wollen die alten Gedankenstrukturen und Denkweisen der Gesellschaft zu dem Begriff ‚Kinderheim‘ ändern! Es geht darum, die aktuellen Lebensweisen und Strukturen von Einrichtungen mit dem Begriff ‚Kinder- und Jugendhilfe‘ neu zu verknüpfen.“

Weitere Themen, die die Jugendlichen beschäftigen und zu denen sie sich als JVJ NRW positionieren wollen, ist die Abschaffung der sogenannten 75 Prozent-Regel, nach der Jugendämter Dreiviertel ihres Einkommens einbehalten dürfen. Außerdem wünschen sie sich eine Verbesserung der Internetzugänge in den Wohngruppen.

LVR-Jugenddezernent Lorenz Bahr sieht in der Gründung einer Interessenvertretung einen wichtigen Schritt bei der Partizipation der Jugendlichen aus Heimeinrichtungen: „Wir Erwachsenen treffen viele Entscheidungen für Kinder und Jugendliche ohne sie nach ihren Wünschen zu fragen. Oft ist eine Beteiligung junger Menschen aber möglich und sinnvoll. JVJ NRW bietet eine gute Struktur, damit sie sich in ihren Belangen laut und deutlich zu Wort melden können und dann auch gehört werden.“

(Quelle: LVR aktuell 2019_05_09)

 

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